Sorge um Zukunft der Physiotherapie-Schule

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Sorgen sich um und kämpfen für die Physio-Therapieausbildung in Freyung (v.l.): FDP-Landtagsabgeordneter Alexander Muthmann, Schulleiterin Astrid Schricker und PhysioFRG gGmbH Geschäftsführer Ludwig Brunner

Der Plan des Bundesgesundheitsministerium sieht vor, dass die Physiotherapie-Ausbildung in Deutschland akademisiert wird. Das heißt: Künftig wäre ein Abitur nötig, um diesen Therapieberuf erlernen zu können. Das hätte gravierende Folgen für die renommierte Berufsfachschule für Physiotherapie in Freyung. Deswegen hat sich FDP-Landtagsabgeordneter Alexander Muthmann nach einem Gespräch in der Einrichtung jetzt nochmal an die Bundestagsfraktion seiner Partei gewandt, um die Sorgen und Nöte sowie die drohenden Auswirkungen durch die geplante Reform deutlich zu machen.

Physiotherapie-Ausbildung nur noch mit Abitur?

„Wenn das so umgesetzt wird, könnten die Hälfte unserer Schülerinnen und Schüler die Ausbildung zu ihrem Traumberuf nicht mehr machen“, brachten es Ludwig Brunner (Geschäftsführer PhysioFRG gGmbH) und Schulleiterin Astrid Schricker beim Muthmann-Besuch am Birkenweg auf den Punkt. „Von unseren aktuell 68 jungen Menschen in den drei Jahrgangsstufen haben 31 kein Abitur.“ Hier drohe, dass ein „tolles System einer dualen Ausbildung kaputt gemacht werde – und das, obwohl wir schon jetzt einen großen Mangel an Fachkräften in diesem Bereich haben“, rechneten Brunner und Schricker vor und verwiesen auf bundesweit 12.000 unbesetzte Stellen. „Dabei haben die Absolventen exzellente Chancen auf einen interessanten und abwechslungsreichen Job nach der Ausbildung – und die Verdienstmöglichkeiten sind mittlerweile wirklich gut“, betonen die beiden. Muthmann sah sich in seiner Vermutung bestätigt und stellte fest: „Es ist wichtig, dass hier ein niederschwelliger Zugang zur Ausbildung erhalten bleibt, um gerade im ländlichen Raum gravierende, negative Auswirkungen in der Gesundheitsversorgung zu verhindern.“

„Kein Unterschied zwischen Realschülern und Abiturienten“

Doch wieso und warum kam es eigentlich zu diesen Plänen? Hintergrund ist, dass zum einen die Anforderungen an die Ausbildung immer komplexer werden. Zum anderen genießt das deutsche, duale System (Ausbildung in der Schule, praktische Einheiten in Praxen und Gesundheitseinrichtungen) im europäischen Vergleich eine Ausnahmestellung. Im Rest Europas ist Physiotherapie ein Studiengang. Befürworter der Reform versprechen sich davon eine Angleichung beziehungsweise Anhebung des Qualitätsniveaus. Dieses Argument teilen Brunner und Schricker nicht: „Gerade bei uns im Haus sieht man: Die mit Mittlerer Reife aus der Realschule oder mit einem M10-Abschluss zeichnen sich durch ihre praktische Herangehensweise aus. Es gibt keinen erkennbaren Qualitätsunterschied zu den Abiturienten.“ Und wer möchte, der könne ja später immer noch studieren – oder etwa gleich an der Hochschule Deggendorf den akademischen Weg beschreiten. Schricker und Brunner sehen durchaus, dass in der jetzigen Form der Ausbildung „Modernisierungs- und Anpassungsbedarf besteht, jedoch nicht in der geplanten Form“. Denn eines ist für sie offenkundig: Kommt die Reform so wie im Konzeptentwurf des Ministeriums vom Juli 2022 vorgesehen, würde die „bewährte Berufsfachschulausbildung in der Physiotherapie de facto abgeschafft“. Demnächst soll der Referentenentwurf in einen Gesetzesvorschlag münden. Wird die Reform beschlossen, könnte Physiotherapie dann nur noch vollakademisiert als Studium (mit Abitur oder Fachabi) erlernt werden. Nach den Plänen des Gesundheitsministeriums würde es dann nur noch der Beruf „Masseurin/Masseur und medizinische Bademeisterin/medizinischer Bademeister“ in der bisherigen, dualen fachschulischen Ausbildung geben. „Doch dafür gibt es kaum einen Markt und somit auch keine Bewerber, selbst wenn er reformiert und dabei etwas aufgewertet werden soll“, geben Brunner und Schricker zu Bedenken. Außerdem wies Geschäftsführer Brunner darauf hin, dass der Aufbau und Erhalt der notwendigen Kapazitäten für eine Vollakademisierung der Ausbildung in der Physiotherapie bei den Hochschulen und somit für die Steuerzahler sehr hohe Kosten verursachen würde.

Muthmann: Zugang zu diesem wichtigen Beruf nicht erschweren

Muthmann überzeugten die fundiert vorgebrachten Fakten und übermittelte sie an die Fachstellen der FDP-Bundestagsfraktion. Abschließend stellte er fest: „Wir brauchen eine bedarfsgerechte Modernisierung der Physiotherapieberufe. Dies darf jedoch nicht dazu führen, dass in einem Mangelberuf dem talentierten Nachwuchs der Zugang erschwert wird. Nur attraktive Ausbildungswege können sicherstellen, dass wir für die Herausforderungen der Zukunft qualifizierte Fachkräfte haben, mit denen wir den hohen Bedarf decken können.“

Ausbildung startet am 1.10.: Es sind noch Plätze frei!

Die Ausbildung zum Physiotherapeuten (m/w/d) an der Berufsfachschule für Physiotherapie der PhysioFRG gGmbH (Birkenweg 1, 94078 Freyung, Tel.: 08551/964545 E-Mail: info@physio-frg.de) beginnt am 1. Oktober. Bewerbungen werden jederzeit entgegengenommen. Weitere Infos unter https://berufsfachschule-physiotherapie-frg.de